Ein Todesfall in der Familie bringt neben der Trauer viele organisatorische Fragen mit sich. Wer in Passau einen Nachlass abwickeln muss, steht dabei vor Besonderheiten, die diese niederbayerische Dreiflüssestadt von anderen Regionen unterscheidet. Dieser Leitfaden ordnet die wichtigsten Schritte ein – von den zuständigen Behörden über die geerbte Immobilie bis zur Haushaltsauflösung in der barocken Altstadt.

Zuständige Stellen: Wer in Passau für den Nachlass zuständig ist

Passau ist eine kreisfreie Stadt und zugleich Sitz der Regierung von Niederbayern. Für die Nachlassabwicklung sind mehrere Stellen relevant, die hier alle vor Ort ansässig sind:

  • Nachlassgericht: Das Amtsgericht Passau ist als Nachlassgericht zuständig – etwa für die Eröffnung eines Testaments, den Erbschein oder das Nachlassverzeichnis.
  • Grundbuch: Auch das Grundbuchamt ist am Amtsgericht Passau angesiedelt. Nach dem Erbfall muss das Grundbuch bei geerbten Immobilien berichtigt werden.
  • Landgericht Passau: Passau ist Landgerichtssitz; in der weiteren Instanz folgt das Oberlandesgericht München.
  • Finanzamt Passau: Zuständig für die Erbschaftsteuer. In Bayern beträgt die Grunderwerbsteuer bei einem späteren Verkauf 3,5 % – der bundesweit niedrigste Satz.

Wichtig ist die Ausschlagungsfrist von sechs Wochen ab Kenntnis vom Erbfall: Wer eine überschuldete Erbschaft nicht antreten will, muss innerhalb dieser Frist beim Nachlassgericht ausschlagen.

Geerbte Immobilien in der Dreiflüssestadt

Passau liegt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Diese Lage prägt den lokalen Immobilienmarkt und ist bei jeder Erbschaft mitzudenken.

Hochwasser: das zentrale Passauer Thema

Kaum eine deutsche Stadt ist so vom Hochwasser geprägt wie Passau. Das Jahrhunderthochwasser 2013 erreichte in der Altstadt Pegel, die bis heute an Hochwassermarken abzulesen sind. Wer eine Immobilie in der Altstadt, in der Ilzstadt oder in Ufernähe erbt, sollte prüfen:

  • Liegt das Objekt in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet? Das kann zu einem spürbaren Wertabschlag führen.
  • Besteht überhaupt eine Elementarschadenversicherung – und ist sie für dieses Objekt noch bezahlbar? In stark gefährdeten Lagen ist der Abschluss oft schwierig oder teuer.
  • Gibt es dokumentierte Vorschäden aus früheren Hochwasserereignissen?

Diese Fragen beeinflussen sowohl eine realistische Verkaufseinschätzung als auch die Frage, ob Vermietung sinnvoll ist.

Barockaltstadt und Denkmalschutz

Die von italienischen Baumeistern geprägte Barockaltstadt steht unter Denkmal- und Ensembleschutz. Wer ein denkmalgeschütztes Bürgerhaus erbt, muss bei Sanierung, Umbau oder Modernisierung die Untere Denkmalschutzbehörde einbinden. Das erhöht Aufwand und Kosten, kann aber steuerlich und über Förderprogramme teilweise aufgefangen werden. Eine fachkundige Wertermittlung sollte den Denkmalstatus berücksichtigen.

Universitätsstadt: Chancen bei vermieteten Wohnungen

Passau ist Universitätsstadt. Geerbte Eigentumswohnungen sind hier häufig vermietet oder für die Vermietung an Studierende geeignet. Bei einer vermieteten Wohnung sind bestehende Mietverträge, Kautionen und die WEG-Unterlagen zu sichten, bevor über Halten oder Verkauf entschieden wird.

Ländlicher Raum: Resthöfe im Umland

Im angrenzenden Landkreis Passau und Richtung Bayerischer Wald finden sich vermehrt Resthöfe und ländliche Anwesen. Solche Objekte sind oft schwerer zu bewerten und zu verkaufen – hier lohnt der Blick des Gutachterausschusses der Stadt Passau beziehungsweise des zuständigen Gremiums im Landkreis.

Haushaltsauflösung in engen Gassen

Die Haushaltsauflösung ist in der Passauer Altstadt eine logistische Aufgabe für sich. Die engen, teils steilen Gassen der barocken Innenstadt lassen sich mit größeren Fahrzeugen nur schwer befahren. Für das Aufstellen eines Containers oder das Halten eines Möbelwagens auf öffentlichem Grund ist in der Regel eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt nötig. Planen Sie diese frühzeitig ein und beauftragen Sie idealerweise Betriebe, die die örtlichen Gegebenheiten kennen.

Grenzlage: Wenn Vermögen im Ausland liegt

Passau grenzt an Österreich (Bezirk Schärding) und liegt nahe der tschechischen Grenze. Dadurch kommt es überdurchschnittlich häufig vor, dass zum Nachlass auch Vermögen oder Immobilien im Ausland gehören oder Erben grenzüberschreitend verteilt leben. In solchen Fällen greift internationales Erbrecht. Für die Abwicklung über Grenzen hinweg kann ein Europäisches Nachlasszeugnis (ENZ) sinnvoll sein, das die Erbenstellung EU-weit nachweist. Hier ist eine anwaltliche oder notarielle Beratung besonders ratsam.

Ihre nächsten Schritte in Passau

  • Sterbeurkunde besorgen und Testament beim Amtsgericht Passau eröffnen lassen.
  • Überschuldung prüfen und die 6-Wochen-Ausschlagungsfrist im Blick behalten.
  • Bei Immobilien: Grundbuch berichtigen, Hochwasser- und Denkmalstatus klären, Wert realistisch einschätzen lassen.
  • Haushaltsauflösung planen – inklusive Sondernutzungserlaubnis in der Altstadt.
  • Bei Auslandsbezug internationales Erbrecht und ein Europäisches Nachlasszeugnis prüfen.

Eine Nachlassabwicklung in Passau ist gut zu bewältigen, wenn man die lokalen Besonderheiten – Hochwasserlage, Denkmalschutz, Grenzlage und Universitätsmarkt – von Anfang an mitdenkt. Bei rechtlichen und steuerlichen Fragen sollten Sie sich individuell durch Notar, Rechtsanwalt oder Steuerberater vor Ort begleiten lassen. Dieser Leitfaden ersetzt keine Rechtsberatung und enthält bewusst keine pauschalen Wert- oder Erfolgsversprechen.

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Weiterführend: Nachlass-Abwicklung in Deggendorf: Der lokale Ratgeber