Eine Bestattung kostet schnell mehrere tausend Euro, Geld, das viele Angehörige im Trauerfall nicht sofort zur Verfügung haben. Genau hier setzt die Sterbegeldversicherung an: Sie soll die Kosten der eigenen Beerdigung absichern und die Familie finanziell entlasten. Doch das Produkt hat Licht und Schatten. Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Sterbegeldversicherung funktioniert, worauf Sie achten sollten und welche Alternativen es gibt.
Was ist eine Sterbegeldversicherung?
Die Sterbegeldversicherung ist im Kern eine kleine Kapitallebensversicherung. Sie zahlt beim Tod der versicherten Person eine vorher festgelegte Summe an einen benannten Bezugsberechtigten aus, gedacht ist dieses Geld zweckgebunden für Bestattung, Grabstein, Grabpflege und die damit verbundenen Formalitäten. Übliche Versicherungssummen liegen in der Größenordnung von etwa 3.000 bis 15.000 Euro.
Hintergrund für die Beliebtheit: Das gesetzliche Sterbegeld der Krankenkassen wurde 2004 abgeschafft. Seither müssen die Kosten der Bestattung grundsätzlich aus dem Nachlass oder von den Angehörigen getragen werden. Die private Sterbegeldversicherung schließt diese Lücke für Menschen, die ihre Familie im Todesfall nicht mit den Kosten belasten möchten.
Wie funktioniert die Versicherung?
Sie zahlen laufende Beiträge, monatlich, vierteljährlich oder jährlich –, im Gegenzug ist die vereinbarte Todesfallsumme abgesichert. Zwei Merkmale unterscheiden das Produkt von einer klassischen Risiko-Lebensversicherung:
- Hohes Eintrittsalter: Viele Tarife nehmen Menschen bis in die Größenordnung von 80 bis 85 Jahren auf. Auch im höheren Alter ist ein Abschluss also oft noch möglich.
- Meist keine oder nur vereinfachte Gesundheitsprüfung: Dafür gilt in der Regel eine Wartezeit von etwa 6 bis 36 Monaten.
Die Wartezeit ist entscheidend: Stirbt die versicherte Person innerhalb dieser Zeit an einer Krankheit, wird häufig nur die Summe der eingezahlten Beiträge zurückerstattet, nicht die volle Versicherungssumme. Bei einem Unfalltod zahlen die meisten Tarife dagegen sofort die volle Leistung. Nach Ablauf der Wartezeit besteht der volle Schutz.
Wer bekommt das Geld?
Sie sollten im Vertrag ein Bezugsrecht festlegen, also bestimmen, wer die Summe erhält. Fehlt diese Angabe, fällt das Geld in den Nachlass und wird unter den Erben aufgeteilt, was die schnelle Verfügbarkeit für die Bestattung verhindern kann. Wichtig: Eine echte Zweckbindung, dass das Geld tatsächlich für die Beerdigung verwendet wird, garantiert die Versicherung allein nicht. Wer das sicherstellen will, kombiniert die Absicherung mit einem Bestattungsvorsorgevertrag oder zahlt auf ein Treuhandkonto beim Bestatter ein.
Was kostet sie, und lohnt sie sich?
Beiträge hängen stark von Eintrittsalter, Versicherungssumme und Tarif ab; seriöse Pauschalzahlen lassen sich nicht nennen. Wichtiger ist die grundsätzliche Kritik von Verbraucherschützern und Testmagazinen: Bei hohem Eintrittsalter zahlen Versicherte über die Jahre häufig mehr an Beiträgen ein, als am Ende ausgezahlt wird. Die Rendite ist typischerweise mager, weil die Verwaltungskosten bei kleinen Summen und höherem Sterberisiko schwer wiegen.
Das heißt nicht, dass die Versicherung nutzlos ist, für manche Situationen kann sie passen. Rechnen Sie aber vor dem Abschluss konkret durch, wie hoch Ihre voraussichtliche Beitragssumme über die Jahre im Verhältnis zur Auszahlung ist. Prüfen Sie außerdem:
- Beitragsfreistellung: Enden die Zahlungen ab einem bestimmten Alter, während der Schutz bestehen bleibt?
- Dauer der Wartezeit und Bedingungen bei Krankheits- versus Unfalltod.
- Beitragsdynamik: Steigen Beitrag und Summe automatisch, und wollen Sie das?
- Rückkaufswert bei Kündigung: Er ist gerade in den ersten Jahren oft niedrig.
- Insolvenzsicherung über die gesetzliche Sicherungseinrichtung der Lebensversicherer.
Für wen ist sie sinnvoll?
Eine Sterbegeldversicherung kann passen, wenn Sie kein oder wenig liquides Vermögen haben, Ihre Angehörigen entlasten möchten und aufgrund von Vorerkrankungen anderswo keinen Schutz bekommen. Wer dagegen über ausreichende Ersparnisse verfügt, braucht sie meist nicht, die Bestattung lässt sich dann direkt aus dem Vermögen finanzieren.
Ein häufig unterschätzter Vorteil: Angemessene Bestattungsvorsorge, dazu zählt in der Regel auch eine Sterbegeldversicherung in üblicher Höhe, gilt bei Bürgergeld und Sozialhilfe meist als geschütztes Schonvermögen und muss nicht vorrangig aufgebraucht werden. Die genaue Bewertung liegt beim Leistungsträger.
Alternativen zur Sterbegeldversicherung
- Eigenes Sparen: Ein separates Tagesgeldkonto oder ein Sparplan über die gleiche Zeit erspart die Versicherungskosten und bleibt flexibel verfügbar. Nachteil: Der volle Betrag steht erst nach Jahren zur Verfügung, ein früher Todesfall ist nicht abgesichert.
- Bestattungsvorsorgevertrag mit Treuhandkonto: Sie legen Ihre Wünsche direkt beim Bestatter fest und zahlen die Kosten auf ein insolvenzgeschütztes Treuhandkonto ein. Das sichert die Zweckbindung besser als eine reine Geldleistung.
- Bestehende Lebensversicherung nutzen: Manchmal reicht eine ohnehin vorhandene Police, um die Bestattung abzudecken.
Reicht am Ende weder Vermögen noch Versicherung, springt als letzte Absicherung die Sozialbestattung nach § 74 SGB XII ein, das Sozialamt übernimmt dann die erforderlichen Kosten einer würdigen, einfachen Bestattung.
Fazit
Die Sterbegeldversicherung kann Angehörige spürbar entlasten und ist auch im Alter oft noch abschließbar, sie ist aber kein Renditeprodukt und lohnt sich nicht in jeder Lebenslage. Vergleichen Sie mehrere Angebote, lesen Sie die Bedingungen zu Wartezeit und Bezugsrecht genau und ziehen Sie die günstigeren Alternativen ernsthaft in Betracht. Eine unabhängige Beratung, etwa bei der Verbraucherzentrale, hilft bei der Entscheidung. Konkrete Beiträge, Konditionen und steuerliche Details klären Sie am besten direkt mit dem Anbieter oder einer Beratungsstelle.
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